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Laichingen – Bunter Protest statt grau-braunen Rock

             

Für den 14.07. hatten wir zu einer Kundgebung in Laichingen gegen das größte Grauzonefestival Deutschlands aufgerufen. Gefolgt auf die ansonsten stille Alb sind uns bis zu 100 Teilnehmer*innen verschiedenster Spektren.

Bei guter Stimmung konnte die deutliche Kritik an dem Festival vermittelt werden und auch der im Vorhinein verteilte Anwohner*innenbrief schien seinen Anklang gefunden zu haben, so waren auch zahlreiche Bürger*innen der umliegenden Gemeinden anwesend.

Nachdem Antifaschist*innen vor der Kundgebung rechte Sticker entfernt hatten (s.u.), begann die Kundgebung gegen 14 Uhr mit Redebeiträgen aus dem Umfeld des Bündniss „Ulm gegen Rechts“, sowie der Antifaschistischen Linken [Antiautoritären] ]Rems-Murr.

Mit der SPD-Abgeordneten Mattheis und der katholischen Seelsorge kamen auch die „bürgerlichen“ Stimmen gegen das Festival zu Wort. Zudem wurde ein offener Brief der Initiative „nichgut“ an den Sportflugverein verlesen. Abgerundet wurde dies durch den Liedermacher Tom (der) Wolf, welcher das Programm etwas auflockerte.


Einen Vorgeschmack auf das Festival-Wochenende lieferten an diesem Samstag einige anwesende Rechte aus dem Umfeld der Identitären Bewegung (IB), sowie merklich alkoholisierte Onkelz- und Krawallbrüderfans.

Kurzzeitig kam es im Rahmen der Kundgebung auch zu Streitigkeiten mit Fans der besagten Bands, was jedoch angesichts der Intention der Kundgebung locker blieb. Zukünftig müssen wir jedoch den Aspekt Selbstschutz auf der Alb etwas mehr betonen. Die IB hatte es sich zudem im Vorfeld zur Aufgabe gemacht rund um die Kundgebung zu stickern, wobei sie sich auffällig vieler AFD-Sticker bediente.

Insgesamt können wir den Tag jedoch als (Teil-)Erfolg verbuchen. Kaum jemand hatte im Vorfeld daran geglaubt, dass es möglich wäre in Laichingen möglich wäre die Bevölkerung anzusprechen und eine gut besuchte Kundgebung abzuhalten.

Zudem wurde klar, dass es durchaus möglich ist die Kritik an rechts offenem Rock einer breiteren Masse zugänglich zu machen und es keine reine „Szeneangelegenheit“ ist. Widerstand kann und muss dort ansetzen, wo das Problem entsteht.

Das rechte Problem auf der Alb und die Inszenierung der extrem Rechten als „Schutztruppen“ des Rock dein Lebens bieten zudem weitere Aktionsmöglichkeiten. Ebenso wie das Festival selbst oder das Unternehmen der Verantwortlichen in Winnenden.

Es geht also weiter.

Rock-dein-Leben? ProTradeIntegra? In die Tonne!

Offener Brief: http://nichgut.blogsport.eu/2018/07/17/offenen-brief-an-den-segelflugverein/

Redebeitrag der ALARM:http://alarm.blogsport.eu/2018/07/15/redebeitrag-laichingen/

 

Offenen Brief an den Segelflugverein

Sehr geehrter Herr Bleher,

wie wir aus der allgemeinen Presse erfahren haben, findet im Zeitraum vom 19. bis zum 21. Juli auf ihrem Flugplatz das Festival „Rock dein Leben“ statt. Wir haben auch erfahren, dass der Bürgermeister bereits in Bezug auf das kommende Ereignis Bedenken geäußert hat. Auch uns als Zusammenschluss verschiedener, politisch engagierter Menschen hat dieses Festival zum genaueren hinschauen angeregt. Auch weil der Veranstalter seinen Firmensitz in unserer näheren Umgebung, in Winnenden hat und Sie (zumindest öffentlich) seiner Argumentation folgen.

Der Inhaber betreibt dort den „Halt-deine-Schnauze“-Laden, sowie den Online-Shop „Nix-Gut“. Zusammen mit den Krawall-Brüder betreibt er zudem den „KB-Mailorder“, auf welchem auch Merchandise und Musik von rechtsoffenen Bands vertreiben wird.

Ganz klar sind wir der Meinung, dass Bands wie Frei.Wild, Berserker Berlin, Krawallbrüder und Konsorten eine Gefahr für ein demokratisches, tolerantes, weltoffenes Zusammenleben darstellen.

Kontakte von einzelnen Bandmitglieder in die rechte Szene, fragwürdige Konzert Auftritte, und Liedtexte die von Aufrufen zur Gewalt bis hin zum Geschichtsrevisionismus gehen. Auch sonst sind die Texte häufig von völkischem und nationalen Denken geprägt.

Hier nur eine kleine Auflistung:
In dem Lied „Der Führer der mich führt“ der Band Berserker Berlin heißt es z.B. „Uns're Geschichte zu verleugnen hat keinen Sinn, die Wurzeln Goethes und noch mehr sind tief in uns drin. Die Geschichte uns'res Volkes wollt ihr uns nehm', wegen ei'm verrückten Mann für den ihr euch selber schämt.“. Unserer Meinung nach wird hier der Nationalsozialismus verharmlost. In dem Song „Das Schwein“ wird zur Lynchjustiz an Kinderschändern aufgerufen.

Bei der Band Frei.Wild haben sie selbst sicher schon einiges recherchiert. Hier aber nochmal zwei Zitate:

Im Lied „Wir reiten in den Untergang“ heißt es: „Und sagst du mal nicht Ja und Amen oder schämst dich nicht für dich, stehst du am Pranger der Gesellschaft und man spuckt Dir ins Gesicht.“ In diesem Kontext steht die Behauptung: „Heute gibt es den Stempel, keinen Stern mehr.“ Die Kritik an jenen, die „mal nicht Ja und Amen“ sagen, mit der Juden-Verfolgung zu vergleichen, stellt eine deutliche Verharmlosung der Nazi-Verbrechen dar.

In einem anderen Song fällt das Zitat: „Sprache, Brauchtum und Glaube sind Werte der Heimat. Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk.“ Dieser Aussage dass „unser“ Volk vom Aussterben bedroht sei, bedient sich die Ultra-Rechte nur zu gern.

Dadurch stellen wir uns die Frage, ob Sie Laichingen zu einer Gemeinde machen wollen, welche bundesweit mit einem rechtsoffenem Festival in Verbindung gebracht wird. Oder als eine Gemeinde, welche ein starkes Zeichen gegen Rassismus und Fremdenhass gesetzt hat.

Mit freundlichen Grüßen
Initiative Nich-gut

Bis Morgen

Für morgen steht alles und wir freuen uns auf euch!

Es wird musikalische Beiträge geben, einen Vortrag über Grauzone mit Bezug auf das Festival und Redebeiträge verschiedener Gruppen und Personen. Kommt vorbei, wir freuen uns!

Neue Infos

Am 14. wird es in Ulm eine gemeinsame Abfahrt am Hauptbahnhof geben. Dazu bitte um 12:20 da sein, damit man ggf. gemeinsam Tickets kaufen kann.

Heute wurden in Laichingen 2000 Flyer verteilt, danke an die fleißigen Leute! Zum wurde der bereits bekannte Aufruf verteilt, zum anderen ein Brief an die Anwohner, den wir nun auch hier veröffentlichen:

 

Laichingen ist bunt, wird braun

Liebe Anwohner und Anwohnerinnen,
nach all den Jahren der Ruhe rollt am 19.-21. Juli eine Welle auf Laichingen zu. Eine Welle mit welcher Sie vermutlich nichts direkt zu tun haben, jedoch sicher auch Personen kennen, welche dies möglich gemacht haben.

Mit dem „Rock dein Leben“-Festival findet in Laichingen eines der größten rechtsoffenen Konzerte im Südwesten der jüngeren Vergangenheit statt. Natürlich werden weder Sie, noch wir dieses Festival vorerst verhindern können. Doch es gibt Kritik daran – alles Nazis! Nun ja. Nicht alles Nazis, aber doch sicher nicht nur ein unerheblicher Teil rechts geprägter und auch neonazistischer Menschen.

Klar erwartet Sie an diesem Wochenende ein Haufen gut gelaunter, vermutlich auch betrunkener Jugendlicher, sowie eines der größten Events ihrer jüngeren Stadtgeschichte. Jedoch auch ein für die rechte Szene mehr als relevantes Festival. Hierbei können rechte Inhalte nicht durch ein paar "Nazis raus" -Rufe kaschiert werden. In der Vergangenheit feierten auf einschlägigen Webseiten zahlreiche Nazis die Inhalte der Bands. Nicht weil diese sich als Nazis deklarieren, sondern weil sie Nationalismus propagieren. Und diesen umso zugänglicher machen, umso mehr sie sich von Rechten abgrenzen.

Blut und Ehre, Ruhm und Nation sind zentrale Säulen, um welche sich Texte der angekündigten Bands drehen. Nun mögen sie sich vielleicht schon gefragt haben, ob Frei.Wild rechts ist. Nur ist Frei.Wild nicht die einzige Band die sich einen solchen Vorwurf gefallen lassen muss. Nein. Der Veranstalter aus dem beschaulichen Rems-Murr-Kreis hat gleich die gesamte Palette all dieser Bands auf eine Bühne gebracht. Bands, die in ihrer jüngeren Historie freundschaftliche Kontakte mit Nazis gepflegt haben und bei welchen es immer wieder zu Hitlergrüßen im Publikum kam. Zudem besteht die erhebliche Gefahr, dass Rechte und Neonazis das Festival nutzen, um Jugendliche anzuwerben. Vielleicht mag eine der Bands nicht so rechts sein, allerdings sollte die Ansammlung für sich sprechen.                                                                  

Hierauf möchten wir Sie aufmerksam machen und bitten, aktiv zu werden. Aktiv gegen eines der größten Treffen rechts offener Musikfreunde im beschaulichen Südwesten. Geld sollte keine Rolle dabei spielen, nationalistischen Postionen eine Plattform zu bieten. Jedoch stehen mit dem Segelflugverein Laichingen, der sich erhofft, mit der Veranstaltung des Festivals neue Ausrüstungsgeräte finanzieren zu können und dem örtlichen Orchester, das auf dem Festival auftreten soll, gleich zwei örtliche Vereine direkt hinter dieser Veranstaltung. Geradezu konsequent werden die Augen verschlossen und in eine Abwehrargumentation eingestiegen, welche von den Bands selbst stammen könnte. Und dies in einer Zeit, in welcher Menschen an unseren Grenzen  ertrinken oder in „sichere“ Herkunftsländer wie Afghanistan zurückgeschickt werden und zeitgleich der Polizeistaat eine Renaissance erlebt.

Etwas, was auf diesem Festival für gutgeheißen oder in komplett falsche Erklärungsmuster gesteckt wird. Wir bitten Sie herzlichst, Ihre Stimme zu erheben: Gegen die Argumentation der involvierten Vereine, das Festival und für eine Welt der Herzlichkeit. In diesen grauen Tagen mehr denn je. Entdecken wir unsere menschliche Freundschaft wieder.Gegen nationalistisches Identitätsgehabe und patriotische Partys. Für eine Welt, in der viele Welten Platz haben!

Mit freundschaftlichen Grüßen
Initiative Nich-gut                                                                                                         

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte unseren Blog nichgut.blogsport.eu
Treffpunkt unserer Kundgebung: 14.07. um 14 Uhr auf dem Marktplatz in Laichingen

Artikel der Schwäbischen Zeitung

Die Schwäbische Zeitung hat mit dem Kollektiv.26 ein Interview in Bezug auf das Festival geführt. Über die Bands steht im Artikel:

„Was genau er an den Bands, die in Laichingen auftreten, so gefährlich findet? Oder befürchtet er gar Ausschreitungen auf dem Festivalgelände, dem Flugplatz des Flugsportvereins? Zweiteres verneint der Sprecher des Ulmer „Kollektiv 26“. Jedoch: Der Großteil der in Laichingen auftretenden Bands vermittle und vertrete ein „rechtes und nationalistisches Weltbild“. Er nennt Beispiele. Die Band Berserker , die am Festivalsamstag auftritt, würde in ihren Texten „schon mal den Holocaust verharmlosen“ oder zur Lynchjustiz aufrufen. Möglicherweise werden sie in Laichingen auch ihr Lied singen „Der Führer, der mich führt“ oder den Song „Das Schwein“. Offen werde darin zur Lynchjustiz gegen Pädophile aufgerufen, Auszug aus dem Text: „Doch wißt Ihr was ich will, ich will das Schwein… selbst leiden sehn! Ich will es leiden sehn! Ich will es brennen sehn! Gebt mir das Schwein und es wird spür’n was es heißt, durch die Hölle zu gehen!“ Auch die Musik der Krawallbrüder (spielen am Freitagabend) sehen die Demo-Organisatoren kritisch. Denn: Die Band würden offen Kontakte zu Nazis pflegen und habe auch schon ihren Urlaub „mit einer ganzen Reihe an Nazis“ verbracht. Erwähnenswert sei zudem eine SS-Totenschädeltätowierung des Sängers. Weniger extrem ordnen die Kritiker den Headliner ein: Frei.Wild. Die Demoveranstalter berufen sich hierbei auf den Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs, der festhält: „Sie (Frei.Wild) arbeiten mit Themen und Sujets, die für extreme Rechte anschlussfähig und zustimmungsfähig sind. Sie sind nicht rechtsradikal, sie sind nicht Grauzone – sie sind rechtspopulistisch.“ Problematisch seien weitere Bands, die Laichingen ihre Aufwartung machen. Sie heißen: Stunde Null, Unantastbar, Grober Knüppel, Goitzsche Front, Westwärts oder Schedelweis.“

Zum vollständigen Bericht:

Laichingen Bericht

Gegen das größte rechts-offene Festival in Linksunten

14.07. – Auf die Straße gegen das größte rechte Rockfestival in Süddeutschland!

Vom 19. bis 21. Juli findet in Laichingen das „Rock dein Leben“-Festival statt. Auf diesem werden unter anderem die Bands Frei.Wild, Krawallbrüder, Unantastbar und viele weitere spielen, die eine rechtsradikale oder -extreme Vergangenheit haben. Frei.Wilds Sänger Philipp Burger hat vor der Gründung Frei.Wilds in der Neonazi Band Kaiserjäger gespielt und die Krawallbrüder verkehren offen mit Neonazis.
Das Festival rechnet mit 6000-8000 Besuchern, zu erwarten sind unter ihnen auch Rechtsradikale und Nazis, die auf dem Rock-dein-Leben-Festival Anschluss an Gleichgesinnten finden möchten. Die aktuellen Verlautbarungen der Veranstalter das Festival langfristig etablieren zu wollen, sollte bei uns die Alarmglocken klingen lassen. Wollen wir die nächsten Jahre nicht mit einem gigantischen Grauzone-Festival in der Region Ulm konfrontiert werden, dann gilt es jetzt zu handeln!

Gemeinsam wollen wir gegen nationalistische Bands aufstehen, darüber informieren und mit dem idyllischen Schein eines „normalen“ Festivals brechen.

Laichingen ist kein Ort für ein rechtsoffenes und ausländerfeindliches Festival. Wer gegen anderen Kulturen und sexuelle Vielfalt ist, der hat in Laichingen oder sonstwo nichts zu suchen!

Gemeinsam auf die Straße, gegen das größte rechte Rockfestival in Süddeutschland!

Laichingen muss bunt bleiben!

Treffpunkt: 14.07. um 14 Uhr, Marktplatz Laichingen

Weitere Informationen zum Festival, den Bands und den Betreibern folgen.